Der Weissenhof

von Peter Laukhard, siehe auch www.grazerbe.at

Eine Steinmauer zeugt noch heute von der Stelle, an der ein Garten südlich an den „Weissenhof“ anschloss. Eingesprengte Spolien, zum Teil aus rötlichem Adneter Marmor, deuten darauf hin, dass hier ein vornehmer Bau gestanden hatte. In der „Topographia“ Matthäus Vischers aus 1681 (Abb. 1) erkennt man den durch Mauern und Tore gesicherten großen Meierhof. Entlang der heutigen Kapellenstraße stand ein langer Trakt, der sich dann hakenförmig wieder zurück wand. An der Straße stand einzeln ein Wohnhaus, das Zugang hatte zu einem Ziergarten mit vier kunstvoll angelegten Blumenparterren; westlich gab es einen Zier-Brunnen und ein Lusthaus, südlich davon ein aus acht großen Abteilungen bestehender Gemüsegarten, durch den ein Weg zu einem an der Südmauer gelegenen Pavillon führte. Im Westen der Anlage lag ein „Baumgarten“, also eine Obstanlage.

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Leider haben Historiker und Kunsthistoriker ziemlich verwirrend die Geschichte des Hofes beschrieben und die spärlichen Quellen auf mehrere Objekte „verteilt“. So wird in der Kunsttopographie von 1984 der Weissenhof mit dem wenig bedeutenden „Dengghof“ gleich gesetzt, der weiter südlich gelegen war (heute Triester Straße 128) und seinen Namen von einem Landkutscher namens Tengg hatte. Die Ansicht von Vischer, die Weintazkarte von ca. 1735 (siehe Abbildung 2) und frühe Kartenwerke lassen jedoch keinen Zweifel daran, dass es hier nur einen großen Hof gegeben hat, der im Laufe der Zeitläufte unterschiedliche Namen trug (Weissenhof, Zechnerhof, Seenußhof). Dass die Siedlung der 1940er Jahre Denggenhof-Siedlung heißt, ist wohl ein Übertragungsfehler.

Die historischen Fakten: Auf einer durch den Abbruch der Baureste nach 1940 verschwun­denen Tafel war die Jahreszahl 1567 zu sehen gewesen. Der Hof war dann 1580 – 1590 mit anderen Gründen von Erzherzog Karl II. aufgekauft worden. Hier ließ er von 1584 bis 1590 von den Architekten Antonio Tade und Antonio Marmoro ein Jagd- und Lustschloss bauen, die spätere „Karlau“. Als der erzherzogliche Hof 1618 nach Wien übersiedelte, weil Karls Sohn als Ferdinand II. Kaiser wurde, hat man die Karlauer Wirtschaftsgründe und darauf stehenden Bauten rasch abgestossen.

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Um 1622 kaufte der Kammerrat F. Zehetner vom Landesfürst das „Weiße Haus“, gelegen bei den zwei Porten (Toren) des Jagdschlosses. Unter Johann Andres Zehentner von Zehentgrub erfolgten vor 1689 Umbauten durch die Baumeister BARTHOLOMÄUS EBNER und JOACHIM CARLONE. 1689 verkauften die Erben dem F. Freiherrn von Stadl den Hof „mit dem alten und neuen Gebäude“, Turm und Meierhof. Vor 1701 war Graf Sidenitsch Besitzer. 1723 wurden die Gründe zerstückelt. Dennoch nennt die Weintazkarte den Hof damals noch „Zechnerhof“, eine Verballhornung des Besitzer-Namens. 1734 wird der Landkutscher Tengg auf einem Meierhof sitzend genannt, 1754 seine Witwe. Die Gült (Einkünfte der Herrschaft) kaufte 1754 das Kloster Neuberg. 1786 erwarb die Freiin von Seenuß das Gut mit zwei Untertanen, der Hof führte danach den Namen „Seenußhof“. Ihre Tochter Elisabeth heiratete 1834 den k.k. Oberlieutenant Matthias Laukhard, dem 1845 das Adelspatent „Edler von“ verliehen wurde.

Auf die jüngere Geschichte machte eine Bewohnerin aufmerksam, die von einem Schloss Denggen gehört hatte, deren jüdische Besitzer vertríeben worden waren. Tatsächlich konnte ich Karoline Latzer und E. Strauß als Besitzer um 1936 feststellen: Karoline Latzer war eine 1887 geborene Grazer Jüdin, die 1921 zum evangelischen Glauben übertrat, um in der Heilandskirche heiraten zu können. Als 1941 ihr Mann gestorben war, bedeutete dies das Ende der „geschützten Ehe“. Karoline Meixner wurde als Volljüdin registriert und nach Theresienstadt deportiert. Sie erlebte aber noch die Befreiung des Lagers 1945 und starb 1956 in Graz.

1 Kommentar

  1. eine bewohnerin
    20. Oktober 2014    

    Herzlichen Dank für diesen informativen Beitrag.

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